Hopffers Kriegsweihnachten

Anhand von Tagebucheinträgen und Briefen seines Sohnes Kurt verfasste Wilhelm Hopffer einen Bericht über das Weihnachtsfest 1914

… Da das Bataillon die Weihnachtstage selbst in der Stellung verbringen muss, finden die verschiedenen Festfeiern und Bescherungen bereits hier in Douai statt. Am 19. war Gottesdienst in der Kirche Notre Dame. Am 20. veranstaltet von Hopffer in seinem Zimmer eine Bescherung für die Unteroffiziere und Mannschaften des Unterstabes, bei welcher jeder einzelne eine Gabe von ihm erhält, die er sich besonders gewünscht hatte und außerdem noch reichlich mit Zigarren und Süßigkeiten bedacht wird. Um 6 Uhr finden die Weihnachtsfeiern bei den Kompagnien in ähnlicher Weise wie in Frieden statt. Aber ganz das Gleiche ist es doch nicht. Sehnsuchtsvolle Heimatsgedanken machen auch hier sich fühlbar und das „Stille Nacht, heilige Nacht“ klingt am 20. in der Fremde doch ganz anders und nicht so weihevoll wie zu Hause am 24., an dem Erinnerung durchwobenen Heiligen Abend.

Am 21. vereinigen sich die Offiziere des Bataillon zu einer gleich gemütlichen wie angeregten Weihnachtsfeier in ihrem Kasino. Bei Punsch und Sekt, Gesang und Tanz nimmt der Abend in heiterer Stimmung einen überaus schönen und fröhlichen Verlauf. Am 22.12. wird das Bataillon nach Rouvoy abtransportiert von wo aus der Weitermarsch in die Stellung erfolgt. Hier vergehen die beiden ersten Tage ohne besondere Ereignisse. Für die Nacht vom 24./25. aber war von der französischen Führung beabsichtigt, das deutsche Weihnachtsfest durch Feuerüberfall und Sprengungen so gründlich als möglich zu stören. Die Besatzung der vorderen Linie aber war von menschlicheren Empfindungen getragen und warf am 23. morgens einen Zettel herüber, auf welchem stand: Avertisez vos camerades que demain ou après demain on fera quelques feux de quelques cartouches; mais nous tirons en l’air et pas sur vous; faites le savoir à vos amis. (Sagt euren Kameraden, dass es Morgen oder Übermorgen Beschuss geben wird; wir werden aber in die Luft schießen und nicht auf euch.) So nimmt auch der 24. während des Tages einen ziemlich ruhigen Verlauf. Um 6 Uhr abends – zur Stunde der sonst gewohnten heimatlichen Bescherung – erhält v. Hopffer durch den Btl. Schreiber einen Brief und ein Paket seines Vaters ausgehändigt, das eine kleine Weihnachtsgabe und ein Christbäumchen enthält. So feiert er im Scheine der wenigen Kerzen einsam in seinem Unterstande ein stilles Weihnachtsfest in der Erinnerung an vergangene und in der Hoffnung auf kommende Weihnachtsabende …

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